Aktuelle Informationen2018-02-26T13:29:37+00:00

 

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Erlass von Nachzahlungszinsen zur Umsatzsteuer aus sachlichen Billigkeitsgründen

Der 5. Senat des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts hat das beklag­te Finanz­amt ver­pflich­tet, der Klä­ge­rin Nach­zah­lungs­zin­sen zur Umsatz­steu­er aus sach­li­chen Bil­lig­keits­grün­den nach § 227 AO zu erlassen.

Die Klä­ge­rin hat­te Lie­fe­run­gen aus einem ande­ren Mit­glieds­staat ursprüng­lich zutref­fend als inner­ge­mein­schaft­li­che Erwer­be mit Vor­steu­er­ab­zug behan­delt. Die BP ver­trat dem­ge­gen­über die Auf­fas­sung, der Ort der Lie­fe­rung sei im Inland. Nach­dem der Beklag­te auch dem Lie­fe­rer gegen­über ver­trat, sei­ne Lie­fe­run­gen sei­en im Inland steu­er­bar und steu­er­pflich­tig, erteil­te der Lie­fe­rer der Klä­ge­rin nach­träg­lich Rech­nun­gen mit offe­nem Umsatz­steu­er­aus­weis, wor­auf­hin die Klä­ge­rin – dem Stand­punkt der BP fol­gend – die aus­ge­wie­se­ne Steu­er für das Jahr der Rech­nungs­be­rich­ti­gun­gen als Vor­steu­er gel­tend mach­te und den dar­aus ent­ste­hen­den Erstat­tungs­be­trag sodann an den Lie­fe­rer zahlte.

Nach­dem das Nds. FG und BFH der Kla­ge des Lie­fe­rers gegen die Behand­lung der Lie­fe­run­gen als im Inland steu­er­pflich­tig statt­ge­ge­ben hat­ten, rück­te das Finanz­amt auch gegen­über der Klä­ge­rin von sei­ner unzu­tref­fen­den Rechts­auf­fas­sung wie­der ab. Der Lie­fe­rer kor­ri­gier­te sei­ne Rech­nun­gen erneut, sodass die Berück­sich­ti­gung der Vor­steu­er für das Jahr der ers­ten Rech­nungs­be­rich­ti­gung rück­gän­gig zu machen war. Hier­durch ent­stan­den Nach­zah­lungs­zin­sen in beträcht­li­cher Höhe.

Der 5. Senat ent­schied, dass die­se Nach­zah­lungs­zin­sen zu erlas­sen sei­en. Der Irr­tum über das Vor­lie­gen einer vom Lie­fe­rer zu ver­steu­ern­den Inlands­lie­fe­rung anstel­le eines von der Klä­ge­rin zu ver­steu­ern­den inner­ge­mein­schaft­li­chen Erwerbs sei inso­weit mit den sog. § 13b-Fäl­len (gemein­sa­mer Irr­tum über die Steu­er­schuld­ner­schaft) ver­gleich­bar, in denen die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung zum Erlass von Nach­zah­lungs­zin­sen zur Umsatz­steu­er bei der Beur­tei­lung des Liqui­di­täts­vor­teils aus­nahms­wei­se die Ver­wen­dung einer unbe­rech­tig­ten Steu­er­erstat­tung durch den Steu­er­pflich­ti­gen berücksichtige.

Das Urteil ist rechtskräftig.

FG Nie­der­sach­sen, Mit­tei­lung vom 19.11.2025 zum Urteil 5 K 160/24 vom 07.08.2025 (rkr)

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