Aktuelle Informationen2018-02-26T13:29:37+00:00

 

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Sonderausgabenabzug für Kinderbetreuungskosten: Verfassungsmäßigkeit des Kriteriums der Haushaltszugehörigkeit

Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten kön­nen bei der Ein­kom­men­steu­er unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen als Son­der­aus­ga­ben nach § 10 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) berück­sich­tigt wer­den. Abzugs­fä­hig sind ins­be­son­de­re Auf­wen­dun­gen für Dienst­leis­tun­gen zur Betreu­ung eines Kin­des unter 14 Jah­ren, wenn das Kind zum Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen gehört (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 EStG), die­ser für die Betreu­ungs­auf­wen­dun­gen eine Rech­nung erhal­ten hat und kei­ne Bar­zah­lung, son­dern eine Über­wei­sung auf das Kon­to des Leis­tungs­er­brin­gers erfolgt ist (§ 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 4 EStG). Der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug beträgt der­zeit 80 % der Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten und höchs­tens 4.800 € pro Jahr; bis zum Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2024 betrug er zwei Drit­tel der Auf­wen­dun­gen und höchs­tens 4.000 € pro Jahr.

Bereits mit Urteil vom 11.05.2023 – III R 9/22 (BFHE 280, 465, BStBl II 2023, 861) hat­te der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ent­schie­den, dass das Kri­te­ri­um der Haus­halts­zu­ge­hö­rig­keit in § 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 EStG auf einer ver­fas­sungs­recht­lich zuläs­si­gen Typi­sie­rung beruht und die Vor­schrift jeden­falls dann nicht gegen die Steu­er­frei­heit des Exis­tenz­mi­ni­mums und den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz ver­stößt, wenn die Betreu­ungs­auf­wen­dun­gen des­je­ni­gen Eltern­teils, der das Kind nicht in sei­nen Haus­halt auf­ge­nom­men hat, durch den ihm gewähr­ten Frei­be­trag für den Betreu­ungs- und Erzie­hungs- oder Aus­bil­dungs­be­darf (sog. BEA-Frei­be­trag, im dama­li­gen Streit­jahr 2020 1.320 € und heu­te 1.464 € pro Jahr) abge­deckt wer­den. Die gegen die­ses Urteil erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht zur Ent­schei­dung angenommen.

Durch das aktu­el­le Urteil vom 27.11.2025 – I R 8/23 zum Streit­jahr 2018 hat der BFH sei­ne Recht­spre­chung bestä­tigt. Er hat fer­ner ent­schie­den, dass er in der bis­her offen gelas­se­nen Fall­kon­stel­la­ti­on eben­falls nicht von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des § 10 Abs. 1 Nr. 5 Satz 1 EStG über­zeugt ist. Als ver­fas­sungs­recht­lich zwei­fel­haft sieht der BFH die Vor­schrift inso­fern an, als das Kri­te­ri­um der Haus­halts­zu­ge­hö­rig­keit im Ein­zel­fall dazu füh­ren kann, dass über die BEA-Frei­be­trä­ge hin­aus­ge­hen­de, von den Eltern tat­säch­lich getra­ge­ne und im Übri­gen abzugs­fä­hi­ge Kin­der­be­treu­ungs­kos­ten bei kei­nem Eltern­teil als Son­der­aus­ga­ben in Abzug gebracht wer­den kön­nen. Die für eine Vor­la­ge an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt erfor­der­li­che Über­zeu­gung von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit hat der BFH den­noch ver­neint. Es gebe nach wie vor gute Grün­de, bei der Abzugs­fä­hig­keit der Betreu­ungs­kos­ten an das Kri­te­ri­um der Haus­halts­zu­ge­hö­rig­keit anzu­knüp­fen, weil sich die Fra­ge exter­ner Kin­der­be­treu­ung in ers­ter Linie für den betreu­en­den Eltern­teil stel­le, in des­sen Haus­halt das Kind lebe.

Im Ergeb­nis wies der BFH die Revi­si­on des Klä­gers gegen das kla­ge­ab­wei­sen­de erst­in­stanz­li­che Urteil als unbe­grün­det zurück. Der fach­ge­richt­li­che Rechts­weg ist damit erschöpft, so dass der Klä­ger Ver­fas­sungs­be­schwer­de erhe­ben kann, um die ange­streb­te ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Klä­rung herbeizuführen.

BFH, Pres­se­mit­tei­lung vom 29.1.2026 zu Urteil vom 27.11.2025, III R 8/23

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