Aktuelle Informationen2018-02-26T13:29:37+00:00

 

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Mannheim Tax Index 2025: Steuersätze in Europa gleichen sich an

Das Update des Mann­heim Tax Index 2025 zeigt: Die rela­ti­ve steu­er­li­che Stand­ort­at­trak­ti­vi­tät ver­än­dert sich bei Nied­rig- und Hoch­steu­er­stand­or­ten nur wenig. Gemes­sen an der effek­ti­ven Durch­schnitts­steu­er­be­las­tung (EATR) stei­gen jedoch in meh­re­ren mit­tel- und ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten die Kör­per­schaft­steu­er­sät­ze und nähern sich dem EU-Durch­schnitt an. Gleich­zei­tig gewinnt die Fra­ge an Bedeu­tung, wie Staa­ten Inves­ti­tio­nen nicht nur über Steu­er­sät­ze, son­dern auch über geziel­te steu­er­li­che Anrei­ze sti­mu­lie­ren können.

Kör­per­schaft­steu­er: Weni­ger »Race to the Bottom«

In eini­gen Län­dern stei­gen die Steu­er­sät­ze spür­bar: Est­land erhöht den all­ge­mei­nen Kör­per­schaft­steu­er­satz von 20 auf 22 Pro­zent und schafft den redu­zier­ten Satz von 14 Pro­zent ab, Litau­en hebt ihn von 15 auf 16 Pro­zent und die Slo­wa­kei sogar von 21 auf 24 Pro­zent. Bereits im Vor­jahr ihre Steu­er­sät­ze erhöht hat­ten Slo­we­ni­en (von 19 auf 22 Pro­zent) und Tsche­chi­en (von 19 auf 21 Pro­zent). Trei­ber die­ses Trends sind die Belas­tun­gen durch die mul­ti­plen Kri­sen der letz­ten Jah­re – und damit der gestie­ge­ne Bedarf für sta­bi­li­sier­te Staatseinnahmen.

»Der­zeit beob­ach­ten wir in der EU die Abkehr von einer aggres­si­ven Steu­er­po­li­tik, bei der Stand­ort­vor­tei­le vor allem durch sin­ken­de Steu­er­sät­ze geschaf­fen wer­den. Vor die­sem Hin­ter­grund ist die geplan­te Sen­kung des kom­bi­nier­ten Unter­neh­mens­steu­er­sat­zes bis 2032 von rund 30 auf 25 Pro­zent in Deutsch­land ein sinn­vol­ler Schritt. Damit nähert sich Deutsch­land wie­der einem kon­kur­renz­fä­hi­gen Steu­er­ni­veau an, ohne direkt in einen euro­päi­schen Unter­bie­tungs­wett­be­werb ein­zu­stei­gen. Ent­schei­dend wird aller­dings sein, Inves­ti­tio­nen stär­ker über die steu­er­li­che Bemes­sungs­grund­la­ge zu för­dern, denn hier lie­gen die größ­ten Hebel, um die Kapi­tal­kos­ten wirk­sam zu sen­ken und zusätz­li­che Inves­ti­ti­ons­an­rei­ze zu set­zen«, erklärt Julia Spix, Wis­sen­schaft­le­rin im ZEW-For­schungs­be­reich »Unter­neh­mens­be­steue­rung und Öffent­li­che Finanzwirtschaft«.

Inves­ti­ti­ons­an­rei­ze wir­ken über Kapitalkosten

Wäh­rend Steu­er­satz­än­de­run­gen die EATR deut­lich beein­flus­sen, wir­ken sich indi­rek­te Steu­er­an­rei­ze (z.B. Abschrei­bungs­re­geln) ins­be­son­de­re auf die Kapi­tal­kos­ten aus – also auf die Ren­di­te, die eine Inves­ti­ti­on vor Steu­ern min­des­tens erzie­len muss, damit sie nach Steu­ern im Ver­gleich zu einer alter­na­ti­ven Geld­an­la­ge am Finanz­markt noch attrak­tiv ist. In Hoch­steu­er­län­dern ist die Spann­brei­te groß: In den letz­ten zehn Jah­ren lagen die Kapi­tal­kos­ten in Ita­li­en und Por­tu­gal bei durch­schnitt­lich 4,6 Pro­zent (Paten­te) bzw. 4,1 Pro­zent (Maschi­nen). Das Ver­ei­nig­te König­reich hin­ge­gen senk­te trotz Anhe­bung des Kör­per­schaft­steu­er­sat­zes auf 25 Pro­zent im Jahr 2023 die Kapi­tal­kos­ten für Maschi­nen durch voll­stän­di­ge Sofort­ab­schrei­bung auf 4,7 Pro­zent. Deutsch­land bie­tet gro­ßen Unter­neh­men der­zeit deut­lich weni­ger Anrei­ze: Kapi­tal­kos­ten von 5,7 Pro­zent (Paten­te) bzw. 6,4 Pro­zent (Maschi­nen) lie­gen klar über dem ange­nom­me­nen Markt­zins der Geld­an­la­ge von fünf Prozent.

Der Mann­heim Tax Index

Der Mann­heim Tax Index ist ein Indi­ka­tor für das effek­ti­ve Steu­er­ni­veau von Unter­neh­men. Hier­bei ver­gleicht er Län­der und Regio­nen aus steu­er­li­cher Sicht und berück­sich­tigt dabei alle Steu­ern auf Gewin­ne und inves­tier­tes Kapi­tal sowie die wich­tigs­ten Rege­lun­gen zur Ermitt­lung der Bemes­sungs­grund­la­ge. Somit wird ein umfas­sen­des Bild der Besteue­rung gezeich­net, indem zwei gene­rel­le Strän­ge ver­folgt wer­den: die Besteue­rung inlän­di­scher Unter­neh­men mit­samt ihren Anteils­eig­nern und grenz­über­schrei­ten­de Unter­neh­mens­in­ves­ti­tio­nen. Der Mann­heim Tax Index basiert auf dem inves­ti­ti­ons­theo­re­ti­schen Ansatz von Devereux und Grif­fith (1999, 2003).

ZEW, Mit­tei­lung vom 05.01.2026

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