Aktuelle Informationen2018-02-26T13:29:37+00:00

 

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Umsatzsteuer bei der Verwaltung unselbständiger Stiftungen

Nach Abstim­mung mit den obers­ten Finanz­be­hör­den der Län­der gilt für die umsatz­steu­er­li­che Behand­lung der Ver­wal­tung unselb­stän­di­ger Stif­tun­gen Folgendes:

I. Grund­sät­ze des BFH-Urteils V R13/22

Mit Urteil vom 5. Dezem­ber 2024 hat der BFH hin­sicht­lich der Umsatz­be­steue­rung bei der Ver­wal­tung »unselb­stän­di­ger Stif­tun­gen« ent­schie­den, dass es für eine steu­er­ba­re Ver­wal­tungs­leis­tung aus­reicht, dass die­se sich auf ein Son­der­ver­mö­gen bezieht, ohne dass es für die Beja­hung eines ver­brauchs­fä­hi­gen Vor­teils beim Leis­tungs­emp­fän­ger dar­auf ankommt, ob die­ser ent­gelt­lich eige­ne Ver­mö­gens­in­ter­es­sen oder die Ver­mö­gens­in­ter­es­sen Drit­ter – wie etwa gemein­nüt­zi­ge Inter­es­sen – verfolgt.

Für eine steu­er­ba­re Leis­tung nach § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG bedarf es neben einem unmit­tel­ba­ren Zusam­men­hang zwi­schen Leis­tung und einem Gegen­wert auch eines Leis­tungs­emp­fän­gers. Die­ser muss iden­ti­fi­zier­bar sein und einen ver­brauchs­fä­hi­gen Vor­teil, der einen Kos­ten­fak­tor in der Tätig­keit eines ande­ren Betei­lig­ten am Wirt­schafts­le­ben bil­den kön­ne, erlangen.

Für den BFH kann der Leis­tungs­emp­fän­ger der Ver­wal­tungs- und Bera­tungs­leis­tun­gen des Treu­hän­ders der hin­ter der Stif­tung ste­hen­de Stif­ter sein. Denn der BFH sah ihn als Emp­fän­ger des ver­brauchs­fä­hi­gen Vor­teils an. Für die Beja­hung eines ver­brauchs­fä­hi­gen Vor­teils beim Leis­tungs­emp­fän­ger ist es uner­heb­lich, ob die­ser ent­gelt­lich eige­ne oder frem­de Ver­mö­gens­in­ter­es­sen ver­folgt. Danach kann eine steu­er­ba­re Ver­wal­tungs­leis­tung in Bezug auf ein Ver­mö­gen gege­ben sein, das zivil­recht­lich im Eigen­tum des Ver­wal­ters steht, wenn es als Son­der­ver­mö­gen beson­de­ren Bin­dun­gen unter­liegt, im Hin­blick hier­auf aber vom sons­ti­gen Ver­mö­gen des Ver­wal­ters getrennt zu hal­ten ist und der Ver­wal­ter für sei­ne Leis­tung ein Ent­gelt erhält.

II. Ände­rung des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses

Im Umsatz­steu­er-Anwen­dungs­er­lass (UStAE) vom 1. Okto­ber 2010, BStBl I S. 846, der zuletzt durch das BMF-Schrei­ben vom 12. Novem­ber 2025 – III C 2 – S 7410/00029/033/051 (COO.7005.100.2.13455129), BStBl I S. 1934, geän­dert wor­den ist, wird nach Abschnitt 1.1 Abs. 12 fol­gen­der Absatz 12a eingefügt:

»(12a) 1Sogenannte fidu­zia­ri­sche (unselb­stän­di­ge) Stif­tun­gen wer­den in der Regel durch einen Ver­trag zwi­schen einem Stif­ter und einem Treu­hän­der errich­tet. 2Der Stif­ter über­trägt dabei Ver­mö­gen an die Stif­tung. 3Mangels Rechts­fä­hig­keit wird die Stif­tung im Rechts­ver­kehr durch den Treu­hän­der ver­tre­ten. 4Die unter­neh­me­ri­sche Tätig­keit des Treu­hän­ders umfasst nach den Grund­sät­zen der Unter­neh­mens­ein­heit (vgl. BFH-Urteil vom 16.12.2020 – XI R 13/19, BStBl II 2022 S. 389) auch die Tätig­keit der unselb­stän­di­gen Stif­tung. 5Diese ver­fügt über kei­ne eige­nen Orga­ne, um auf Dau­er im Namen der Stif­tung nach außen auf­tre­ten zu kön­nen (vgl. auch Abschnitt 2.2 Abs. 7). 6Die Ver­wal­tung von fidu­zia­ri­schen Stif­tun­gen durch den Treu­hän­der kann eine steu­er­ba­re und steu­er­pflich­ti­ge sons­ti­ge Leis­tung gegen Ent­gelt sein, wenn ein ent­gelt­li­cher Ver­trag mit dem Stif­ter besteht und das Ver­mö­gen als Son­der­ver­mö­gen getrennt geführt wird, vgl. BFH-Urteil vom 05.12.2024 – V R 13/22, BStBl II 2025 S. XXX

Anwen­dungs­re­ge­lung

Die Grund­sät­ze die­ses Schrei­bens sind in allen offe­nen Fäl­len anzuwenden.

Sofern eine fidu­zia­ri­sche Stif­tung jedoch bis­her als Unter­neh­me­rin behan­delt wur­de, z. B. hin­sicht­lich Ver­wal­tungs­leis­tun­gen oder Ver­mie­tungs­leis­tun­gen an frem­de Drit­te, wird es für Zwe­cke der Umsatz­steu­er nicht bean­stan­det, wenn die Stif­tung bis zum Ablauf des 31. Dezem­ber 2026 wei­ter­hin als Unter­neh­me­rin behan­delt wird.

Schluss­be­stim­mun­gen

Die­ses Schrei­ben wird im Bun­des­steu­er­blatt Teil I veröffentlicht.

BMF, Schrei­ben (koor­di­nier­ter Län­der­er­lass) III C 2 – S 7100/00097/037/064 vom 08.12.2025

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